Fnord zum Gruße, versoffener Kollege,

 

noch immer habe ich keine Neuigkeiten von Dir empfangen. Die Zeiten, sie verbergen sich in den Nebeln, welche die Augen täuschen, Wunschbilder suggerieren und den Verstand verschleiern. Warum gibt mir niemand die Berliner Mauer wieder, jene zeit, wo die Hoffnung noch nicht verwest war, vielleicht schon tot, aber noch nicht Staub, wer weiß , möglicherweise hätte sich doch noch ein Messias gefunden, der gerufen hätte: Lazarus, kehr zurück! Nun aber, gibt es Nichts mehr, was zurückkehren könnte., nur das Schmatzen der Würmer wiegt uns noch in den Schlaf. Ich bade nackt in den Strahlen des Mondlichts, kraule dem Euphrat entgegen, ein neuer Anfang am Beginn der Zeit. Die Schönheit zerfällt in diesem Zeitalter der Inflation, schon keine einzelne Kippe mehr wert. Auferstanden aus Ruinen, doch diesmal erschlagen uns die Trümmer, wenn Alles zusammenstürzt. Ein versteinerter Maiskolben, letztes Relikt, letzter Hinweis darauf, wir waren mal da ! Letzte Runde, Polizeistunde, das Lokal muß geräumt werden, die Party ist aus, und die Kinder werden nicht mehr geboren. Ein letzter Tanz noch, noch einmal zu den Klängen der Geigen sich wiegen, das Gleich vergessen, bevor der Schnitter ruft. Die Zeugen haben den Ort der Hinrichtung schon verlassen, der Tod ist schon da, warum seine Zeit damit vergeuden, den letzten Zuckungen zu zu sehen, in einem anderen Universum läuft mit Sicherheit schon die nächste große Party. Die Postfächer, Sie bleiben leer, keine Echos aus dem Gestern. An dunklen Höhlenwänden, da tanzen noch die Hoffnungen, während die Knochen längst vergangen sind. Bringt mich zur Grenze, wo die Schiffe gen Himmel fahren, mit all meinen guten Wünschen, wenn ich schon keine Liebe mehr schenken kann. Ich wollt, ich stünde unter ihren Segeln, das Grauen hinter mir lassend, doch ich blicke nur auf den Spiegel, der Nichts schenkt, selbst nicht das Vergessen. Ich weine, meine Tränen, sie fallen in die Augen der Stürme, verdunsten, bevor der Wind Sie in die Lüfte tragen kann. Keine Gedanken berühren meine Haut, kein Atem fließt über meinen Bart. Fahnen und Gegenfahnen, verlassen, bar ihrer Streiter, künden das Fließen, das Verlieren und das EntSINNte. Halleluja, Halleluja, was auch immer kommt, es wird nur schlechter, denn zwischen uns und dem Tod steht nur leeres Geschwätz, so wie jetzt. Es ist kein Lachen, keine Grippe, auch keine Syphilis, nur Augen, die bar der Blindheit sind. Aus seinem Grab, tief in den Schubladen, da entstieg er heute, grantig wie eh und je. In den Pratzen seine stinkenden krummen Hunde. Ja er ist wieder da, Johann Nepomuk Ignatz Grießlmayr. Die Welt braucht einfach wieder echte Superhelden, das Band, welches Menschen verbindet, ist der Mythos, ohne ihn, ist es nur eine Frage von kurzer Zeit, bis wir wieder auf die Bäume raufklettern, vorausgesetzt, die Bäume lassen uns auch rauf. Aber leider gibt es nirgendwo Gewissheit. Nur Religiöse und Verrückte können sich sicher sein, alle anderen müssen verzweifeln, nur gut das die meisten Menschen sehr religiös sind, neunundneunzig von den ersten Hundert, die einem auf der Straße begegnen, besonders die Atheisten sind sehr stark in ihrem Glauben, das es Gott nicht gibt. Was würde ich für solche Gewissheit geben, mein Leben ? Vermutlich nicht, wahrscheinlich nicht mal einen Pfennig.

Tempus Loquendi! Tempus Tacendi ! Wie wir alten Lateiner sagen würden.

Aus dem Hörer tönt das Besetztzeichen, Länder, Menschen, Gedanken und Gefühle unter der Kontrolle anderer, Okkupation eines jeden Einzelnen, der Hintergrund unseres Lebens, und unserer Ängste. Wir fragen nach Wissen, um uns abzulenken, den Gedanken keine Chance zu lassen, in das Herz des Abgrunds zu blicken. Vergiß alle Angebote, jede Droge, jeden Glauben, es sind Alles nur Fluchten, wir sind Verbrecher, immer in Bewegung um nicht gefangen zu werden, gehetzte Blicke, ein Sprung ist in allen Dingen. Aus den amerikanischen Gesichtern grinst mich das mongolische Schicksal an. Nur eine kurze Spanne ist ihnen vergönnt. Der Rauch trägt edle Gedanken an mein Ohr, ich treff ihn am Delta und am Alpha, er verspricht Erlösung. Doch leider geht es wieder nur um eine Frau, welch Verschwendung, selbst ein Esel landet im Bett der Feenkönigin. I-ahh, I-ahh, I-ahh ! Welch billig Ausweg, schwacher Abgang, eines Menschen nicht würdig, doch wer ist schon noch ein Mensch ? Die Fragen, Sie erstrecken sich weiter, als je ein Mensch, jemals zu gehen vermag. Es ist Urlaub und mein Appetit hat sich verabschiedet, wozu auch Essen, wenn man doch Nichts macht. Das Leben findet auch so seinen Ausgang, wenn es Zeit zum Gehen geworden ist. Der Kater lauscht auf verdächtige Klopfgeräusche, die von unter dem Tisch kommen, streckt blind seine Pfote mit den Krallen hinunter in die Schwärze, aber er fängt Nichts, wie wir Alle, auch den Katern dieser Welt ergeht es nicht besser. Ich habe gerade meine Tour durch all die Pornoseiten des Netz beendet, nichts Interessantes dort draußen heute nacht, nur die üblichen Verdächtigen. Kein Pferd, keine Frau, kein Schnurrbart, was wollte uns Washington so dringend sagen. Wo sind die Orakel, die aus dem Schleier einen Weg weisen. Über die Gräber bläst schwach der Novemberwind, streichelt all die, welche zu Stein geworden sind. Irgendwo dort draußen würden Pflichten auf mich warten, doch der Atem wendet sich dem Rauch zu, die Gedanken tanzen mit ihm den Decken und vem Vergessen entgegen. Ich werde jetzt noch weiter mit dem Rauch tanzen, mein Bier austrinken und dann mich in Morpheus umsorgende Arme begeben,und wer weiß, vielleicht treffe ich dort mich selbst und finde heraus, was ich will.

Laß mal was von Dir hören, alte Schlafmütze !!!!

 

Der Kardinal

 

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